Das Künstlerhaus

Die Räume des Hauses an der Postgasse 20 werden seit mehr als achtzig Jahren von Künstlerinnen und Künstlern als Ateliers, zum Teil zugleich als Wohnung genutzt. Es sind dies bisher:
  • Esther Altorfer (1936-1988)
  • Pia Berla
  • Verena Felber (*1945)
  • Simon Fuhrer (1913-1990)
  • Anita Hosig
  • Hans Gordon Jegerlehner (1906-1974)
  • Lilly Keller (1929 -2018)
  • Gottfried Lüscher (1881-1975)
  • Egbert Moehsnang (1927-1917)
  • Alexander Müllegg (1904-1982)
  • Judith Müller (1923-1977)
  • Meret Oppenheim (1913-1985)
  • Marie-Françoise Robert (*1939)
  • Andreas Roth
  • Walter Schächli (1907-1984)
  • Elsa Stauffer (1905-2006)
  • Marianne Vögeli (*1939)
  • Walter Vögeli (1929-2009)

Das Haus Postgasse 20 hat wie die meisten in der unteren Altstadt eine 400- bis 500-jährige Geschichte. Mehrere äussere Veränderungen am Haus wurden vorgenommen, als markanteste sei die Aufstockung erwähnt, zudem kamen mehrfach innere Anpassungen dazu. Wasser, Elektrizität, Gas wurden erst nach und nach eingezogen und machten dementsprechende Einbauten und Standards möglich.

Im Buch der Kunstdenkmäler des Kantons Bern schreibt Paul Hofer 1959:
Um 1720 erhält das schmale spätgotische Haus Nr.20 die heutige viergeschossige Vorderfront. Über tief ansetzendem Segmentbogen zwei schlanke Achsen einsprossiger Kuppelfenster zwischen drei hohen Pilastern, deren scharf geschnittene Kämpfer auf dem Kranzgesims aufsitzen; unter den Fensterbänken der zwei Hauptgeschosse Breitrechteck-Füllungen in sehr zartem Relief. Die ansprechende Fassade geht mit Gerechtigkeitsgasse 6 und Kesslergasse 29 nah zusammen. In der Laube Erdgeschossfenster mit Klappladen und Oberlicht-Eingang mit charakteristischer Louis XIV-Eichentüre; vortrefflicher schmiedeeiserner Ringklopfer. Im 2. Stock wohlerhaltene Küche aus der Zeit des Achteck-Wendelsteins; in allen Wohnungen heute Maler- und Bildhauerateliers.  
Die frühesten Daten, die die Künstlerateliers bezeugen, sind aus dem Jahr 1936. Simon Fuhrer war einer der ersten eingemieteten Maler. Von 1936 bis 1942 arbeitete er im dritten Stock nordseitig. 1939 zog Elsa Stauffer in das Atelier im grossen Parterreraum mit Veranda und Balkon, den heutigen Ausstellungsraum. Sie blieb bis 1984. Dass vor ihr der Dekorations- & Flachmaler de Quervain hier sein Geschäft hatte, belegt die Wandanschrift im Hausflur.
In der Zeitung Berner Woche vom 6.9.1941 wird über eine Begehung des Hauses berichtet.
Und so treffen wir denn gleich im selben Haus Postgasse 20, fünf Menschen, die mit Liebe und Hingebung ihrem Berufe nachgehen; Über die engen Treppen hinauf gerät der Besucher in die verschiedenen Ateliers. Auf der Schattseite, Front Postgasshalde, haben eine Bildhauerin, Fräulein Elsa Stauffer, und 2 Maler, sehr verschiedener Richtung, Alex Müllegg und Simon Fuhrer, ihre Werkstätten aufgeschlagen, und an der Sonnseite wohnt im dritten Stock oben Herr Acconci, ein begabter Musiker, und im ersten Stock arbeitet Herr Nussbaum, ein Italien-Schweizer, mit Liebe und Sorgfalt an seinem Arbeitstisch.

Eine Dokumentation über das Künstlerhaus und seine Künstler*innen ist in Arbeit und soll 2021 erscheinen.

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