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Vincent O. Carter: ​​​A Traceable Line
10. - 12. & 17. - 19. September 2020

"Now I have a Collection of well over two thousend Drawings."

Diese Bemerkung schreibt Vincent O. Carter 1973 in einem Brief, zehn Jahre vor seinem Tod. Sein zeichnerisches Werk ist eine Entdeckung und ein Geheimtipp in einem. Erstmals seit 1983 kann ihm in dieser Ausstellung direkt begegnet werden. Die vorgenommene Auswahl zeigt repräsentativ Carters expressive Bild- und Formsprache. Die Schau wird begleitet von einer Publikation.

Kuratiert von Iris Gerber und Nurja G. Ritter.
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Wer ist Vincent O. Carter?

Geboren wird Vincent O. Carter 1924 in Kansas City USA, seine Eltern sind bei seiner Geburt noch Teenager. Achtzehnjährig wird er in die Armee eingezogen. Als Sanitäter macht er im 2. Weltkrieg die Invasion in Nordfrankreich mit. Beim Rückzug der Truppen kommt er nach Paris. Hier fasst er den Entschluss: I promised myself then that one day I would return to Paris – um Künstler, eigentlich denkt er hier Schriftsteller zu werden. Nach der Demobilisierung studiert er Literatur, Philosophie und Religionswissenschaften, arbeitet in Detroit in der Automobilindustrie und kommt 1953 zurück nach Paris. Ein kurzer Besuch führt ihn nach Bern. Er bleibt, von 1953 bis zu seinem Tod 1983.

In Bern wird er zum Schriftsteller und zum Künstler. Er schreibt "The Bern Book – a Record of a Voyage of the Mind", und er beginnt zu zeichnen.




"I was so happy to discover the mysterious beauty of an extended line."
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Die hier angesprochene, ihn beglückende Schönheit der Linie fasziniert ihn in ihrer Unerschöpflichkeit. Kugelschreiber, Tintenroller und Filzstift sind seine Mittel. Er zeichnet Köpfe, Gesichter, nicht als Portraits, einfach Gesichter. Seine zeichentechnische Vielfalt ist grenzenlos. Da sind aus einer absatzlosen Linie entstandene Köpfe ohne flächige Ausgestaltung, andere mit feinsten Ornamenten aufgefüllte, solche mit drei Augen und zwei Nasen, als würden sie gerade den Kopf wenden, andere mit Schraffuren, Strichen und Flächen, gezeichnet als seien sie geflochten, gewebt, wären Korallengewächse aus tiefem Meer. Simpel in den Mitteln und direkt im Ausdruck, das ist Carters Art. Die Linie, der Strich, verdichtet, verwebt, so schreibt sich Vincent O. Carters ganz eigene Zeichenkunst.

Veranstaltung

18. September um 18.30 Uhr
Lesung aus The Bern Book und Texten aus dem Nachlass

Publikation

Im September 2020 erscheint mit Vincent O. Carter. A Traceable Line die erste Publikation, die sich dem zeichnerischen Werk des Autors von The Bern Book annimmt.

Ausschliesslich erhältlich unter ausstellung@kuenstlerhaus-postgasse.ch

Presse

Der Bund, Berns vergessene schwarze Stimme, Bernhard Ott, 4. Juli 2020